AllgemeinBergisch Gladbach

Strundeflut überrollt Back Company in Bergisch Gladbach

Katastrophen-Tagebuch der Back Company Filiale in Bergisch Gladbach

Tag 21: Seit 3 Wochen im Katastrophenmodus

An Tag 21 nach dem verheerenden Unwetter befinden wir uns immer noch im totalen Ausnahmezustand. 3 Wochen lang gab es keine gedankliche Pause, keinen Moment der Ruhe und Erholung, kein auch nur annähernd „normales“ Familienleben. Der Adrenalinspiegel ist im Dauer-Hoch – Tag und Nacht.

Während Politik und Hilfsorganisationen über zu wenig Zeit für den Aufbau einer Hilfs-Infrastruktur klagen, fragen wir uns, wie lange all die Betroffenen in den Krisengebieten diesen Stresspegel durchhalten können?

Tag 20: Ausbildungs-Aus bei Back Company in Bergisch Gladbach

Tag 20 nach der schrecklichen Hochwasserkatastrophe und wir müssen loslassen. Ohne Geschäftsbetrieb fehlt uns die Ausbildungseignung. Nach vielen Telefonaten und Beratungsgesprächen mit der IHK und der Agentur für Arbeit ist klar, ein halbes Jahr ohne Praxis ist für die Erreichung des Ausbildungsziels nicht zu verantworten. Zwei Auszubildende können nun ihre Ausbildung zum Verkäufer bzw. zur Verkäuferin nicht wie geplant bei uns beenden. Eine Auszubildende kann erst gar nicht ihre Ausbildung bei uns beginnen und schreibt uns: „Ich stehe, genau wie Sie, vor einem Scherbenhaufen“.

Seit 4 Jahren bilden wir in Bergisch Gladbach mit viel Engagement Verkäufer*innen und Einzelhandelskaufleute aus. Qualifizieren Menschen mit Einstiegshürden durch Einstiegsqualifzierungen fürs Berufsleben und nun stehen wir vor dem Ausbildungs-Aus. Wir leiden mit den jungen Menschen, die so viel Hoffnung hatten, es gemeinsam mit uns in eine gute berufliche Zukunft zu schaffen. Es ist noch gar nicht lange her, dass der Rheinisch Bergische Kreis mit uns einen Ausbildungsfilm gedreht hat. Wir waren so stolz und nun kommen uns die Tränen, weil wir immer noch nicht fassen können, dass es dies alles nicht mehr gibt.

Heute können wir nur noch eins tun, nämlich herzlich darum bitten, diese Nachricht zu teilen. Auch, wenn die IHK und die Agentur für Arbeit versprochen haben, sich um eine schnelle Vermittlung unserer Auszubildenden zu kümmern, möchten wir auf das Schicksal der drei jungen Menschen aufmerksam machen. Vielleicht findet sich schnell, der ein oder andere Betrieb, der sich bereit erklärt, unsere Azubis aufzunehmen.


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Tag 19: Aus Wochen werden Monate – viele Monate!

Tag 19 nach der Strundeflut in Bergisch Gladbach ist für uns ein rabenschwarzer Tag. Nach dem Ausbau des Kühlhauses durch unseren Kältetechniker wird klar, auch der Boden des Geschäftes ist durch das Schlammwasser massiv beschädigt.

Hatten wir schon länger eine Ahnung, so ist es nun Gewissheit: Es wird sehr lange dauern, das Bäckerei-Café zu sanieren. Wir reden schon seit einigen Tagen nicht mehr von Wochen, sondern von Monaten. Heute ging die Zahl der genannten Monate jedoch in schwindelerregende Höhe, so dass wir uns erst einmal von dem Schock erholen und intensiv nachdenken müssen.

Für heute ist es genug: Wir brauchen unbedingt Kraft für den morgigen Tag!

Tag 18: Sendepause!

Tag 17: Mit überwältigender Hilfe – Back Company in einem Tag geräumt!

Tag 17 war ein voller Erfolg aber auch so lang, dass wir es erst an Tag 18 schaffen, davon zu berichten.

Wir hatten das weltbeste Abbau-Team vor Ort in Bergisch Gladbach. Jede Helferin, jeder Helfer packte ohne große Worte sofort an. 14 Menschen, die wir dachten, bereits gut zu kennen, bewiesen so unterschiedliche und für uns neue Talente und beeindruckten uns zutiefst.

Das Helfer-Team bestand aus Menschen, die wir alle kennen, die sich aber untereinander zum Teil erst an diesem Tag kennenlernten und sich mit ihren unterschiedlichen Stärken und Talenten zu einem perfekten Räderwerk zusammenfügten und mit unglaublicher Ruhe, mit Respekt und Wertschätzung miteinander, arbeiteten.

In nur einem Tag wurde der komplette Ladenbau in Einzelteile zerlegt, unglaublich viele Paletten und Kisten gepackt. Nicht eine einzige Glasscheibe ging kaputt und als der Notstrom ausfiel, wurde im Dunkeln weiter gemacht, half der Nachbar mit Strom für die Kaffeemaschine aus und schickte unser Elektrobetrieb trotz Samstagnachmittag schnelle Hilfe.

Rund um unser Geschäft im Strundepark sahen wir überall Autos, Transporter, Anhänger und Werkzeuge. Nach Lagerort sortiert, wurde beladen, gefahren und entladen. Woher wussten unsere Helfer, was wir alles benötigten, wie all die Dinge sicher demontiert und transportiert und optimal im jeweiligen Lager verstaut werden? Wir wussten es jedenfalls nicht! Heute wissen wir aber, wer solche Helden kennt, braucht auch vor unmöglich scheinenden Aufgaben keine schlaflosen Nächte haben.

Liebe Helferinnen und Helfer, mögen wir durch die Unwetterkatastrophe viel Geld verloren haben, durch euch haben wir so viel gewonnen. Wir sind erfüllt von diesem menschlichen Reichtum! DANKE!

Tag 16: Das Gute liegt so nah – Lagerräume gefunden!

An Tag 16 nach der Strundeflut stellt sich raus, das Gute liegt so nahe. Zwei Geschäftsnachbarn konnten helfen und stellen uns völlig unbürokratisch einen Teil ihrer Lagerräume zur Verfügung. Wir sind froh und glücklich, denn die beiden Räumlichkeiten ergänzen sich perfekt. Dank dieser großzügigen Nachbarschaftshilfe bleiben uns sogar die Suche nach geeigneten Transportfahrzeugen und lange Transportwege erspart.

Und nicht nur in der Geschäftsnachbarschaft, sondern auch in der Wohnnachbarschaft findet sich ein optimaler Platz. Alles was noch gewissenhaft geprüft und sortiert werden muss, wird hier großzügig aufgenommen. Obwohl die Eigentümer auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub sind, überlassen sie uns bedenkenlos ihre Scheune. So viel Vertrauen erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.

Und es kommt noch besser, ein Trupp ehrenamtlicher Helfer bildet für uns ein Abbau-Team. Statt das Wochenende nach einer arbeitsreichen Woche einzuleiten, beginnen sie morgen früh ihren Dienst bei uns in Bergisch Gladbach.

Echte Nachbarschaftshilfe ist ein großartiges Geschenk und wir durften dies heute so intensiv erleben, dass wir nun voll Zuversicht auf den morgigen Tag blicken.

Tag 15: Stadt-Bürokratie statt schnelle Hilfe

An Tag 15 nach der Hochwasserkatastrophe im Strundepark gibt es endlich Nachricht vom Amt. Leider geht es nicht um die vor einer Woche beantragte Soforthilfe, sondern um die von uns bereits vor 14 Tagen verloren gemeldete Biotonne.

Um den Verlust der Mülltonnen zu melden, brauchte es zahlreiche Anläufe, allein eine zuständige Person zu ermitteln, glich Detektivarbeit. Als diese endlich gefunden war, stellte sich raus, dass sie erst am nächsten Tag und nur vormittags zu erreichen sei und es eines formellen Verlustantrag bedarf.

Nach gründlicher Recherche hat die Vertreterin der Stadt Bergisch Gladbach nun festgestellt, dass uns eine Biotonne in den letzten 4 Jahren gar nicht zu gestanden hätte und wir deshalb nun, trotz Verlustantrages, keine bekommen werden. Macht nichts, brauchen wir ja jetzt auch nicht mehr! Die gute Nachricht aus dem Rathaus kam gleich hinterher, wir müssen die Bio-Tonne nun auch nicht mehr bezahlen.

Warum schreiben wir dies? Weil es exemplarisch ist für den Formalismus, mit dem wir uns seit langem rumschlagen, von dem wir dachten, er sei in der Corona-Krise bereits auf die Spitze getrieben worden, macht er uns in den letzten zwei Wochen im Kampf um unsere Existenz einfach nur wütend.

Die Berichte von Helfern und Anwohnern aus den vom Hochwasser besonders hart getroffen Gebieten vermitteln den Eindruck, dass selbst im Kampf um Leben und Tod, schnelles und unbürokratisches Handeln Privatsache ist.

Immerhin hat der Chef nach langer Suche am Ufer der Strunde unsere Papiertonne wieder gefunden. Private Initiative hat bekanntlich schon so manches Problem gelöst.

Tag 14: Solidarität auch in der Kundschaft

Es ist Tag 14 nach der Überflutung unseres Bäckerei-Cafés. Wir sind nun seit Tagen vor Ort und bereiten die komplette Räumung vor. Unsere Arbeiten werden immer wieder von Kunden unterbrochen, die schockiert vor bzw. im Geschäft stehen und nicht fassen können, was passiert ist.  

Scheinbar hat sich auch nach 14 Tagen noch nicht rumgesprochen, wie schlimm das Unwetter im Strundepark zugeschlagen hat. Wir sind sehr gerührt von den tröstenden Worten und auch ein wenig Stolz, wenn z.B. unser Cappuccino als bester der Stadt gelobt und das gemütliche Frühstück bei uns schmerzhaft vermisst wird.

Unsere Stammkunden, die seit Jahren regelmässig kommen und unser Café ein wenig wie das zweite Wohnzimmer sahen, sind betrübt. Einige haben sich zusammengetan und sogar eine Spende gesammelt. Wir sind sehr gerührt von soviel Anteilnahme und tief traurig darüber, dass all dies nun so weit weg scheint.

Uns ist bewusst, dass kein Kunde wochen- oder sogar monatelang auf uns Warten kann und sich nun Alternativen suchen muss. Zu all den Sorgen, die uns durch den Kopf gehen, gesellt sich eine Neue: Kommen unsere Kunden wieder zurück? Gerät unsere kleine Back Company vielleicht sogar in Vergessenheit?

Tag 13: Schlimme Explosion in Leverkusen lässt uns innehalten

Am Tag 13 nach der Hochwasserkatastrophe spüren wir in Bergisch Gladbach eine Detonation. Kurze Zeit später erfahren wir von der verheerenden Explosion im Chempark in Leverkusen, unserem Nachbarort – ein Ort der ebenfalls vor 13 Tagen überflutet wurde.

Wir beschließen heute keinen Tagebucheintrag vorzunehmen. Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser Explosion und bei den Opfern der Hochwasserkatastrophe sowie deren Angehörigen.

Tag 12: Alles muss raus – Lagermöglichkeit gesucht!

Tag 12 nach dem schlimmen Hochwasser stellt uns vor eine weitere große Herausforderung. Wir haben uns deshalb entschlossen, aus unserem heutigen Update einen Hilferuf zu machen.

Hatten wir es bisher versucht zu verdrängen und immer noch auf eine schnelle Lösung gehofft, ist es nun klar: Das Gebäude der Back Company in Bergisch Gladbach muss umfangreich saniert werden. Sämtliche Wandaufbauten, Rigipsplatten etc. müssen raus. Wände müssen bis auf mindestens halbe Höhe neu verputzt bzw. gefliest werden und so vieles mehr. Das bedeutet, das gesamte Bäckerei-Café muss komplett geräumt werden.

Wie sehr hatten wir uns in der letzten Woche darüber gefreut, einiges von unserem Inventar gerettet zu haben. Nun wissen wir jedoch nicht wohin mit all den Sachen. Einen Teil haben wir bereits bei unserer Familie und bei Freunden untergestellt.

Nun ist der Lagerbedarf jedoch alleine nicht mehr zu stemmen. Wir sind also auf der Suche nach einer Lagerräumlichkeit von mind. 100 qm für einen Lagerzeitraum von ca. 6-8 Wochen, möglichst in der Nähe unseres Geschäftes im Strundepark in Bergisch Gladbach. Denn die nächste Herausforderung wird der Abbau und der Transport der Sachen sein…

Liebe Back Company-Hilfsgemeinschaft! Habt ihr in eurem Netzwerk irgendjemanden, der uns helfen kann bzw. könnt Ihr unseren Hilferuf verbreiten und uns bei der Suche nach einer möglichst kostenfreien Lagerung unterstützen?

Tag 11: Regen erinnert an die schreckliche Unwetterkatastrophe vom 14.07.2021

Am Tag 11 nach der verheerenden Unwetterkatastrophe gewittert es und kurzzeitig fällt heftiger Regen. Nach den schrecklichen Erlebnissen während des Unwetters am 14.07.2021 kommen Erinnerungen und auch Ängste hoch. Wir sind nervös, weil der Abfluss hinter dem Geschäft im Strundepark sofort überläuft. Wenn wir schon Angst  vor Regen und einem überlaufenden Kanal haben, wie mag es den Menschen gehen, die Mitten in dieser Katastrophe im tiefen Wasser standen und eine lebensbedrohliche Extremsituation erlebt haben.

Wir fragen unsere Mitarbeiterin, die am Tag der Überflutung ihre Schicht in der Back Company in Bergisch Gladbach hatte, wie sie dieses schreckliche Ereignis erlebt und verarbeitet hat.

Da das Wasser von hinten aus dem kleinen Bachlauf der Strunde kam, merkte sie erst deutlich später als die Nachbarn, dass etwas nicht stimmte. Ihr Blick richtete sich nach vorn auf den Kundeneingang. Als sie sah, dass Wasser ins Geschäft lief, schloss sie die Türe und begann, den Eingangsbereich trocken zu wischen. Schnell merkte sie, dass von allen Seiten Wasser eindrang und das Telefon nicht mehr funktionierte. Vom Nachbarn wusste sie, dass die Feuerwehr alarmiert war, aber erst in einer Stunde kommen würde.

Sie machte sich große Sorgen um den Laden und versuchte, möglichst viel hoch zu lagern. Das Wasser stieg immer weiter. Wollte sie den Chef eigentlich nicht im Urlaub stören, griff sie nun zu ihrem Handy und rief ihn an. Dieser bat eine in der Nähe wohnende Mitarbeiterin um Hilfe. Die Kollegin ließ alles liegen und stehen und war in wenigen Minuten vor Ort. Ihre Videoaufnahme schockierte. Das Wasser war bereits so hoch gestiegen, dass sich keine Türe mehr öffnen ließ. Die Mitarbeiterin war im Laden eingeschlossen und sah wie sich die Eingangstüre beängstigend weit bog. Der Chef, nach wie vor mit ihr im Telefonat, wies sie an, die Hauptsicherung sofort auszuschalten. Währenddessen fand die Kollegin draußen in der Nähe zwei Feuerwehrleute und bat um Hilfe. Über das Fenster wurde die Mitarbeiterin schließlich aus dem Geschäft gehoben und, aufgrund der starken Strudelbildung und der Gefahr von losen, schweren Teilen wie Kanaldeckeln, bis auf festen Boden begleitet.

Unsere Mitarbeiterin war mitten drin und hatte mehr Sorge um das Geschäft, als um ihr Leben. Sie bestand sogar darauf, die Kassenschublade mitzunehmen. Nun sorgt sie sich um ihren Arbeitsplatz und unterstützt uns beim Wiederaufbau mit allen Kräften. Für sie sei dies die beste Form, das Erlebte zu verarbeiten.

Hatten wir bisher alles nur von außen gesehen, zeigen uns die Erzählung und auch die Aufnahmen unserer mutigen Kollegin, wie unfassbar schnell alles passierte, und wie gefährlich es war. Wir sind sehr froh, dass ihr nicht noch Schlimmeres geschehen ist.

Heute denken wir an alle, die solch traumatischen Erlebnisse vor wenigen Tagen durchgemacht haben und hoffen, dass sie, neben all der Unterstützung bei den physischen Aufräumarbeiten, auch Hilfe bei der psychischen Aufarbeitung bekommen.


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Tag 10: Helden verbringen Wunder

Tag 10 beginnt mit vielen Telefonaten, denn die offenen Fragen von gestern, wollen beantwortet werden. Natürlich finden wir niemanden, der auf alles eine Antwort weiß. Wer kann das schon, in einer Katastrophe, die sich vor 10 Tagen in unserem Land niemand vorstellen konnte. Dafür kommen aber jede Menge guter Ideen zusammen.

Statt die Wassertanks der Trocknungsgeräte zu leeren, versuchen wir einen direkten Wasserablauf zu schaffen. Ist die Konstruktion noch provisorisch, wissen wir jetzt aber, dass es geht und können an der Verbesserung arbeiten. Auch über Luftumwälzung haben wir einiges gelernt und direkt zwei Ventilatoren besorgt.

Viel mehr konnten wir heute im Laden nicht erreichen. Also haben wir uns der Technik zugewandt. Unsere Helden des Tages sind die Freunde, die das Unmögliche möglich gemacht haben und die Lichter an den für uns so wichtigen Geräten angeschaltet haben.

Der PC aus dem Büro in Bergisch Gladbach blieb von Feuchtigkeit nicht verschont. Die ersten Versuche, ihn wieder in Betrieb zu nehmen, scheiterten kläglich. Da musste erst jemand kommen, der sich damit auskennt. Mit viel Ruhe und Ausprobieren, vielleicht auch Handauflegen, brachte er nicht nur den Rechner, sondern gleich auch noch den so wichtigen Spezialdrucker zum Leuchten.

Die Industrie-Spülmaschine, die vollständig im Schlammwasser stand und bereits für Tod erklärt worden war, strahlt in vollem Glanz und spült wieder. Okay, es reichte nicht aus, ihr die Hand aufzulegen. Der Tüftler ging mit der Einstellung „geht nicht, gibt’s nicht“ ran und nach vielen Stunden, bewies er, es lohnt sich, nicht aufzugeben.

Dank unserer persönlichen Helden, glauben wir wieder an Wunder und möchten alle Betroffenen motivieren: „Schaut auf das Wunder der großartigen Hilfe, die uns allen zu Teil wird und gewinnt daraus Kraft für morgen.“

Tag 9: Große Ungeduld und viele Fragen im feuchten Laden im Strundepark

Es ist Tag 9 und ein merkwürdiges Gefühl überkommt uns. Heute kommt kein Elektroniker, kein Handwerker, kein Hilfstrupp und wir erkennen kein vorankommen.

Eigentlich sollten wir uns darüber freuen, dass das Notstromaggregat nicht mehr benötigt wird. Die frisch verlegte Notstromleitung hat Ihren Dienst aufgenommen und versorgt unsere derzeit wichtigsten Helfer, die zwei Trocknungsgeräte, mit Energie. Die beiden können ab sofort Tag und Nacht arbeiten. Allerdings benötigen sie etwas Unterstützung, die Wasserauffangtanks müssen regelmäßig geleert werden. Wir stellen fest, dass diese bereits nach wenigen Stunden voll sind, und beschließen, den Chef zu entlasten und uns im Team mit der Leerung abzuwechseln.  

Die große Feuchtigkeit bereitet uns Sorge. Es fällt uns schwer, nichts tun zu können. Viele Fragen bleiben heute unbeantwortet: Wie lange dauert solch ein Trocknungsprozess? Brauchen wir mehr Trocknungsgeräte? Und wann wird endlich der Fehler in der Stromzuleitung gefunden? Und immer wieder die alles überlagernde Frage: Wie und Wann können wir eine Wiedereröffnung schaffen?

Tag 8: Soforthilfen, Spenden und ein Versprechen

An Tag 8 nach der Strundeflut geht es ums Geld. Viele Weisheiten rund ums Geld gehen uns durch den Kopf, z.B. über Geld spricht man nicht. Wir haben uns jedoch dazu entschieden heute darüber offen und ehrlich zu schreiben, denn es ist uns ein großes Anliegen zu versichern, dass wir uns keinesfalls an dieser Krise bereichern werden.

Voller Überzeugung zitieren wir die Redensart „Geld ist nicht wichtig, Hauptsache wir sind gesund“. Wenn wir die Berichte der Unwetterkatastrophe in unserem Land sehen, schämen wir uns dafür, dass wir über unser Leid klagen. Wir haben niemanden in den Fluten verloren, sind nicht verletzt worden. Wir hatten großes Glück – wir Leben!

Und doch spielt Geld eine Rolle. Es ist der Treibstoff, der uns am Leben hält – es kommt allerdings auf die Dosierung an. Deshalb haben wir heute Kassensturz gemacht. Die Back Company in Bergisch Gladbach hat vor 4 Jahren eröffnet und befand sich mitten in der Entwicklung als uns die Corona-Krise traf. Das Geschäft hat bisher Verlust gemacht und der Investitionskredit muss noch abgezahlt werden. Hinzu kommen nun die Kosten der Schadenbehebung. Stand heute wissen wir, dass sich diese im hohen 5 stelligem Bereich bewegen. Eine konkrete Aussage, erhoffen wir uns in der nächsten Woche nach dem Termin mit dem Bausachverständigen.

Wir sind unendlich beschämt, quasi über Nacht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Niemals konnten wir uns vorstellen, Familie und Freunde um Geld zu bitten. Schließlich heißt es doch, bei „Geld hört die Freundschaft“ auf. Und auf einmal stellen wir fest, dass genau diese Menschen uns unaufgefordert Geld überweisen und sogar Spendenkonten einrichten.

An dieser Stelle wollen wir keinesfalls um Spenden bitten. Wir wollen aber darauf hinweisen, dass liebe Menschen eigenständig solche Aufrufe initiiert haben:

https://paypal.me/pools/c/8Bekrv9s68

https://www.betterplace.me/fluthilfe-backcompany-bergisch-gladbach

Vor allem wollen wir für all diese großartige und selbstlose Hilfe von ganzem Herzen danken. Wir sind überwältigt. Die Hilfe, die uns jeden Tag erreicht, ist so vielfältig und aufrichtig und hört selbst bei Geld nicht auf.

Heute hat das Land NRW Wort gehalten und eine unbürokratische und schnelle Soforthilfe in Höhe von 5.000,- € bereit gestellt. (https://www.land.nrw/de/soforthilfe) Natürlich deckt dieser Betrag den Schaden nicht, aber er ist eine echte und schnelle Hilfe, die wir sofort beantragen.

Liebe Back Company- und Familie Müller-Unterstützer, wir danken euch aus tiefstem Herzen. Wir versprechen euch, Geld, dass wir zur Schadenbehebung nicht benötigen, werden wir den Menschen spenden, die nach dieser Hochwasserkatastrophe Hilfe ebenfalls dringend brauchen. Und wenn wir es irgendwie und irgendwann geschafft haben, werdet ihr in unserem kleinen Bäckerei-Café unsere liebsten Gäste sein. Die Gutscheine hierfür bringen wir euch ganz persönlich vorbei!

Tag 7: Nachrichten aus den Krisen-Schaltzentralen

Heißt es nicht eigentlich, am 7. Tage sollst du ruhen? Am Tag 7 nach der Hochwasserkatastrophe im Bäckerei-Café in Bergisch Gladbach ist daran allerdings nicht zu denken. Im Gegenteil sämtliche Back Company Schaltzentralen sind völlig überlastet.

Heute werden zwei Kämpfe gefochten:

Im Laden schuften die Elektroniker, um schnellstmöglich für Strom zu sorgen. Und dann die schlechte Nachricht: Die 80 m lange Stromleitung zwischen Geschäft und dem Hauptverteiler (Zähler) der Rhein Energie ist defekt. Die Fehlersuche kann dauern, schlimmstenfalls muss alles aufgerissen werden.

Nach dem das Büro in Bergisch Gladbach abgesoffen ist, müssen sämtliche Arbeiten von zu Hause erfolgen. Akten sind zerstört, die Büroausstattung liegt in Einzelteilen verstreut. Vieles ist nicht mehr aufzufinden und doch müssen Lohnabrechnungen erstellt und Rechnungen bezahlt werden. Während unsere Welt zum Stillstand gekommen ist, läuft sie anderswo, wie gehabt, weiter.

Nach 7 Tagen absolutem Ausnahmezustand, fehlt die Kraft und wir beschließen, die Suche nach Lösungen für heue einzustellen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.

Tag 6: Back Company Zukunft im Nebel

Es ist Tag 6 nach der Überschwemmung des Bäckerei-Cafés in Bergisch Gladbach und es wurde jede Menge Staub aufgewirbelt.

Gert Müller ist der Erfinder, Gründer und Inhaber der Back Company, einem kleinen Familienbetrieb mit nur zwei Filialen. Sein Konzept vereinbart die Vorteile einer Traditionsbäckerei und einer Selbstbedienungsbäckerei und fügt sich ganz individuell in einen lokalen Markt ein. Anders als vielleicht vermutet, verbirgt sich hinter Back Company kein Konzern und keine Zentrale, sondern eine Familie und Mitarbeiter, die mit Leidenschaft und viel Liebe zum Detail für ihre Kunden da sind.

Seit über 40 Jahren ist unser Chef bereits selbständig und hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Schon einige unternehmerische Krisen hat er erfolgreich gemeistert. Wer ihn kennt, weiß, er ist ein absoluter Macher, eine rheinische Frohnatur, der das Zusammensein mit Menschen liebt. Er packt da an, wo er gebraucht wird und ist sich für nichts zu schade.

Er ist es gewohnt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und nicht andere für sein Schicksal verantwortlich zu machen. Kein Wunder, dass er sich nun mit Selbstvorwürfen quält. Dachte er, als erfahrener Unternehmer, immer an den umfassenden Versicherungsschutz seiner Geschäfte, stellt er nun fest, dass die jetzt entscheidende Elementarversicherung fehlt.

Gert Müller steht mit 66 Jahren statt vor der Rente vor der großen Aufgabe, für sein Team und sich, einen Neuanfang zu schaffen. Aber sagt nicht schon ein bekannter Schlager: “Mit 66 Jahren da fängt das Leben an”?

Auch wenn die Zukunft im dichten Nebel liegt, haben wir heute, im untergegangenem und letzte Woche weggeschwemmten Blumentopf, eine kleine Blüte der Hoffnung gefunden. Ein Symbol für all die Hilfe, die wir bekommen.

Tag 5: Putzen, schrubben, waschen und mit Strom im Strundepark weitermachen

Mit Tag 5 beginnt eine neue Woche und auch neues Glück. Schon früh am Morgen laufen die Telefone heiß. Jeder schaut, ob er nicht jemand kennt, der jemand kennt, der uns weiterhelfen kann. Und plötzlich steht ein dieselbetriebenes Stromaggregat und die erste Heizung vor der Tür. Der Müllcontainer wird geleert, der Hof gekehrt und in zahlreichen Haushalten wird für uns gewaschen und gebügelt. Anhänger werden entladen, es wird kräftig geschrubbt und an den unterschiedlichsten Orten finden sich Zwischenlager-Möglichkeiten.

Die Familienunternehmen des Strundeparks vernetzen sich und schaffen schnelle Kommunikationswege und einen optimalen Austausch. Manche lernen sich erst jetzt kennen und schätzen.

Am späten Nachmittag erneutes Glück: Ein befreundeter Unternehmer plant gewaltig um und schickt uns schon morgen früh einen seiner Elektroniker zum Austausch der Unterverteilung. Das, was gestern noch so schmerzlich vermisst wurde, nämlich Strom, erscheint in greifbarer Nähe.

Liebe Familie, liebe Freunde und liebe Strundepark-Nachbarn wir danken euch für diesen hoffnungsstiftenden Tag.

Tag 4: Großer Schaden bei Back Company in Bergisch Gladbach

Es ist Tag 4 nach der großen Überschwemmung des Strundeparks – ein sonniger Sonntag, der sich so falsch anfühlt. Auf der Fahrt zum Geschäft und dem Blick auf voll besetzte Café-Terrassen überkommt uns große Trauer. Für uns erscheint dies unerreichbar fern.

Gemeinsam mit vielen Helferinnen und Helfern haben wir sämtliche Geräte und Möbel auseinander montiert und gereinigt. Wir sind erschrocken über das Ausmaß des Schadens. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit.

Wir brauchen dringend Trocknungsgeräte, aber es sind keine zu kriegen und ohne Strom können wir einfach nichts machen.

Die Kollegen vom Stromwerk arbeiten auch am Sonntag und haben es geschafft, die anderen Mieter des Strundeparks mit Strom zu versorgen. Nur unser Laden darf nicht angeschlossen werden. Er stand am tiefsten im Wasser und die Unterverteilung ist hin.

Wenn sich eins nicht verträgt, dann ist es Elektronik und Wasser. Das zeigen auch die Fotos des heutigen Tages:

Tag 3: Back Company Geschäft vom Schlamm befreit

Tag 3 nach der Strunde-Flutwelle und wir sind unendlich erschöpft und tief bewegt von der großartigen Unterstützung, die uns von so vielen selbstlosen Menschen entgegengebracht wird. Voller Dankbarkeit wollen wir unser Tagebuch fortführen, denn wir können es euch nicht allen persönlich sagen.

Tief betroffen sind wir von den schrecklichen Schicksalen, die so viele Menschen um uns herum ereilt haben. Dachten wir vor zwei Tagen noch uns ginge es schlecht, ist uns heute sehr bewusst, dass es viele Menschen wesentlich härter getroffen hat.

Unsere Gedanken sind heute bei den unzähligen Menschen, die in Not sind. Wir fühlen mit und wollen mit unserem Video, das zeigt, wie viele Hände unseren Laden vom Schlamm befreit haben, Mut machen. Gemeinsam finden wir einen Weg!


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Tag 2: Hilfe und Solidarität im Strundepark

Am Tag 2 wurden wir überrollt von Hilfsangeboten, ehrlich gesagt waren wir völlig überfordert dies zu koordinieren. Es ist unmöglich allen persönlich zu danken, um so wichtiger ist es uns, hier zu schreiben. Ohne diese große Solidarität hätten wir längst aufgegeben. Jede Form der Anteilnahme, jedes Anpacken, vorbei bringen von Werkzeug und Verpflegung, jeder Versuch Geräte zu organisieren, jeder Lösungsgedanke, jedes Mut zusprechen, jedes tröstende Wort, wirklich alles hilft uns sehr! Vielen vielen Dank!

Heute bekamen wir auch Zuspruch von Politik und Verbänden, vom Vermieter und der Presse. Danke, dass Sie sich vor Ort ein Bild gemacht haben, sich Zeit genommen haben und einfach zugehört haben. Wir wissen, dass Sie keine Wunder verbringen können, aber Sie haben Einfluss und können Dinge verändern.

Tag 1: Aufräumarbeiten bei Back Company in Bergisch Gladbach

Am Tag 1 hatten wir unglaublich selbstlose Hilfe von Mitarbeitern, Familie und Freunden. Wir sind ergriffen, von dieser überwältigenden Anteilnahme und möchten allen ehrenamtlichen Helfern in dieser Katastrophe ein ganz großes DANKESCHÖN aussprechen.

Die Hauptamtlichen, die Vertreter unserer Stadt, haben allerdings ihre Chance auf medienwirksame “Stiefelbilder” ungenutzt gelassen. Am Tag 2 hoffen wir nun, dass sie sich zumindest für die Katastrophe im Strundepark und die Betroffenen interessieren. Ohne schnelle Hilfe ist die Existenz der kleinen Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsplätze mitten in der Corona-Krise unmöglich.

Der Tag der großen Flutwelle im Strundepark in Bergisch Gladbach

Am Tag 0 – der Tag der großen Flutwelle – rettete die Feuerwehr unsere Mitarbeiterin. Wir alle sind unendlich dankbar für diese Hilfe und, dass im Strundepark, anders wie an vielen Orten im Land, kein Mensch zu Schaden gekommen ist.


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